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Du warst eine Woche in China, hast Unternehmen und Forschungseinrichtungen besucht und an einer internationalen Konferenz teilgenommen. Was wolltest du herausfinden?
Ich wollte aus erster Hand erfahren, wie sich KI und Robotik in China entwickeln. Man liest viel darüber. Aber es ist etwas anderes, vor Ort zu sein, mit Menschen zu sprechen und Unternehmen oder Forschungseinrichtungen zu besuchen. Erst dann bekommt man ein Gespür dafür, wie dort gearbeitet wird und was die Entwicklungen antreibt.
Ein Anlass war die China International Fair for Investment & Trade, die CIFIT, in Xiamen. Gemeinsam mit Vertretern des Bayerischen Wirtschaftsministeriums habe ich außerdem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-up-Ökosysteme besucht. Uns hat interessiert, welche Anknüpfungspunkte es für Bayern gibt.
Und was hat dich vor Ort am meisten beeindruckt?
Vor allem das Tempo, die Experimentierfreude und die Zuversicht, mit der Neues angegangen wird. Mich hat weniger eine einzelne Technologie beeindruckt als die Geschwindigkeit, mit der Ideen umgesetzt werden.
Natürlich ist nicht alles, was sich bewegt und aufblinkt, technologische Weltspitze. Nicht jeder Roboter und jede Drohne wird ein erfolgreiches Produkt. Aber es wird viel ausprobiert, und auch aus Fehlschlägen lernt man. Was sich bewährt, kann dann schnell in großem Maßstab eingesetzt werden.
Wo war diese Dynamik besonders spürbar?
Besonders deutlich war es in Shenzhen. KI, Robotik, Elektronik, Produktion und Forschung liegen dort nah beieinander. Diese Nähe erleichtert es, Ideen schnell in die Praxis zu bringen. Das wurde auch beim Besuch des Shenzhen Institute of Artificial Intelligence and Robotics for Society (AIRS) deutlich, wo KI und Robotik gezielt für praktische Anwendungen zusammengebracht werden.
Bei Siemens Healthineers haben wir eine andere Perspektive kennengelernt. Dort wurde deutlich, welche Bedeutung China für ein globales Unternehmen hat: als Markt, als Produktionsstandort und als Entwicklungsstandort. All das ist eng mit den weltweiten Wertschöpfungs- und Innovationsprozessen des Unternehmens verflochten.
Was können wir in Bayern daraus mitnehmen?
Vor allem die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und aus den Ergebnissen zu lernen. Auch wenn ein Versuch scheitert, ist das kein verlorener Aufwand. Man weiß danach mehr als vorher.
Bayern hat hervorragende Forschung, innovative Unternehmen und viele Förder- und Transferangebote. Entscheidend ist, diese Kompetenzen schneller zusammenzubringen und Forschungsergebnisse konsequenter in Anwendungen zu übersetzen. Hier können wir von China durchaus etwas lernen, ohne dessen System kopieren zu wollen.
Dafür braucht es Kontakte vor Ort. Wie gut ist Bayern bereits vernetzt?
Besser, als man vielleicht denkt. An der Tsinghua Shenzhen International Graduate School (SIGS) gibt es zum Beispiel ein TUM-Büro. Mit XNode haben wir über Start-ups und internationale Innovationsökosysteme gesprochen. Diesen Austausch wollen wir mit den Münchner Ansprechpartnern fortsetzen. In Hongkong ging es beim Hong Kong Science and Technology Park (HKSTP) um ähnliche Fragen. Dazu kam der Austausch mit Dr. Xiaolong Ma von der Fraunhofer-Repräsentanz in China.
Es gibt also bereits zahlreiche Verbindungen zwischen Bayern und China. Jetzt kommt es darauf an, sie besser zu vernetzen und daraus konkrete Projekte zu entwickeln.
In welchen Bereichen könnte daraus mehr werden?
Bei Robotik und intelligenter Produktion, aber auch im Gesundheitsbereich und in den Life Sciences. Auch in der Forschungsförderung und im Innovationsmanagement sehe ich interessante Ansätze.
China hat große Forschungs- und Klinikstrukturen. Neue Technologien können dort teilweise sehr schnell eingesetzt und in größerem Umfang genutzt werden. In Bayern haben wir starke Forschung, Universitätskliniken, Medizintechnik, Pharmaunternehmen und viele innovative Unternehmen und Start-ups. Hier sehe ich Potenzial, die unterschiedlichen Stärken zusammenzubringen.
Bei all den fachlichen Gesprächen: Wie hast du die persönlichen Begegnungen erlebt?
Die persönlichen Begegnungen waren für mich einer der wichtigsten Teile der Reise. Wir haben viele offene und konstruktive Gespräche geführt und großes Interesse an einem weiteren Austausch mit Bayern erlebt. Gerade angesichts der geopolitischen Spannungen finde ich solche Kontakte wichtig. Nur im direkten Gespräch versteht man die Interessen und Perspektiven des Gegenübers.
Persönliche Kontakte sind das eine. Gleichzeitig stehen Kooperationen mit China wegen möglicher Abhängigkeiten und Sicherheitsrisiken in der Kritik. Wie bewertest du das?
Es gibt Fragen, die wir sorgfältig klären müssen, bevor aus einem Kontakt eine Kooperation wird: Wie schützen wir geistiges Eigentum? Wie gehen wir mit Gesundheits- und Forschungsdaten um? Könnten Ergebnisse auch militärisch genutzt werden? Welche Abhängigkeiten entstehen? Und haben beide Seiten vergleichbare Möglichkeiten und Zugänge?
Was bedeutet das für die Zusammenarbeit in der Praxis?
Wir müssen wissen, mit wem wir zusammenarbeiten, welche Interessen unsere Partner verfolgen und wo unsere eigenen Grenzen liegen. Für mich ist dabei wichtig, zwischen einem fachlichen Austausch und einer konkreten Kooperation zu unterscheiden. Ein Gespräch verpflichtet zunächst zu nichts. Wenn daraus gemeinsame Projekte entstehen sollen, müssen Ziele, Nutzen und Rahmenbedingungen klar sein.
Das ist aber kein Argument, weniger miteinander zu reden. Im Gegenteil: Der direkte Austausch hilft uns, Entwicklungen besser zu verstehen und Chancen wie auch Risiken realistisch einzuschätzen. Auch über unterschiedliche Ansätze bei KI-Governance und Sicherheit lohnt es sich zu sprechen.
Und wie geht es nach der Reise weiter?
Wir wollen die bestehenden Kontakte weiterentwickeln und gemeinsam mit unserem Netzwerk prüfen, wo konkrete Kooperationen sinnvoll sind – insbesondere bei KI, Robotik und Gesundheit, sowohl in der Forschung als auch im Start-up-Bereich. Ein aktuelles Beispiel ist der Besuch einer hochrangigen Delegation des Shanghai Hospital Development Center (SHDC) am 15. Oktober in München. Mit dabei waren auch Vertreter von Siemens Healthineers aus Shenzhen und Erlangen. Damit ergab sich auch eine direkte Verbindung zu unserem Besuch bei Siemens Healthineers in Shenzhen. Im Mittelpunkt standen KI in der Gesundheitsversorgung und mögliche Kooperationen. Weitere Folgegespräche gibt es zu KI-Regulierung und zur Vernetzung unserer Start-up-Ökosysteme. Auch für die geplante China-Reise von Wirtschaftsminister Aiwanger im November haben sich Anknüpfungspunkte ergeben.
Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Akteure aus Bayern eigene Erfahrungen in China sammeln. Wer bereits mit chinesischen Partnern zusammenarbeitet oder Interesse an einem Austausch hat, kann sich gerne bei uns melden.
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