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Computersteuerung mit dem Gehirn
Copyright: Astrid Eckert / TUM

Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) arbeitet an einer Technologie, die das Leben von Menschen mit schweren Lähmungen grundlegend verändern könnte. Im Mittelpunkt steht eine neuartige Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer Interface, BCI), die es ermöglicht, digitale Systeme allein durch Gedanken zu steuern.

Im Rahmen des Projekts „Artificial Intelligence for Neuro Deficits“ wurde dem 26-jährigen Michael Mehringer, der seit einem Motorradunfall vom Hals abwärts gelähmt ist, ein mikroelektrodenbasiertes Implantat eingesetzt. Dieses erfasst neuronale Signale direkt im Gehirn und übersetzt sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz in digitale Befehle.

In Trainingssessions lernt Mehringer, sich Bewegungen – etwa das Strecken eines Arms – vorzustellen. KI-Algorithmen analysieren dabei die entstehenden Hirnsignale und erkennen Muster, die mit bestimmten Bewegungsabsichten zusammenhängen. Ziel ist es, zunächst einen Cursor auf einem Bildschirm und perspektivisch sogar einen robotischen Greifarm zu steuern.

Die Implantation der Elektroden erfolgte in einer mehrstündigen neurochirurgischen Operation mit höchster Präzision. Insgesamt wurden vier Arrays mit jeweils 64 Mikroelektroden in einen Hirnbereich eingesetzt, der für die Planung komplexer Bewegungen zuständig ist. Laut den Forschenden handelt es sich um den ersten Einsatz einer solchen Technologie bei Querschnittslähmung in Europa.

Neue Wege zur Selbstbestimmung

Das Projekt vereint Expertise aus Neurochirurgie, Neurowissenschaften, Robotik und Künstlicher Intelligenz und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel ist es nicht nur, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Gehirn zu gewinnen, sondern auch konkrete Anwendungen zu entwickeln, die Betroffenen mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität ermöglichen.

Die Forschung zeigt eindrucksvoll, wie KI und Neurotechnologie zusammenwirken können, um menschliche Fähigkeiten zu erweitern – und unterstreicht das Potenzial interdisziplinärer Zusammenarbeit für gesellschaftlich relevante Innovationen.