Künstliche Intelligenz verändert, wie wir lernen, arbeiten und entscheiden und prägt damit das Bildungssystem grundlegend. Bildung wird so zum zentralen Hebel, um Menschen in Schule, Ausbildung und Arbeitswelt zu einem souveränen, kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit KI zu befähigen. Besonders sichtbar sind die Auswirkungen im Bildungswesen: KI verändert Lerninhalte, Lernprozesse und Rollenbilder von Lehrenden und Lernenden grundlegend.

Dabei geht es nicht allein um technische Fähigkeiten. Zentrale Zielgröße ist AI Literacy – also Wissen über KI, die Fähigkeit, KI sinnvoll einzusetzen, sowie eine reflektierte Haltung gegenüber ihren gesellschaftlichen, ethischen und rechtlichen Auswirkungen. Internationale Organisationen wie die OECD und die Europäische Union betonen zunehmend, dass AI Literacy zu einer Grundkompetenz des 21. Jahrhunderts werden muss. 

Der BAIOSPHERE MONITOR konzentriert sich im Themenfeld „Bildung und Kompetenzerwerb im Kontext von KI“ bewusst auf die schulische Bildung und die betriebliche Weiterbildung. Diese Fokussierung ermöglicht eine vertiefte Analyse zentraler Handlungsfelder, ohne den Anspruch zu erheben, sämtliche Bildungsbereiche vollständig abzudecken.

Ziel des BAIOSPHERE MONITOR ist es, auf dieser Grundlage eine fundierte Basis für politische Entscheidungsprozesse in Bayern zu schaffen.

Die Expertinnen und Experten des Fachpanels

Die Arbeit im Fachpanel bildet die zentrale Arbeitsphase des MONITOR-Prozesses. Es vereint Expertise aus universitärer Forschung, schulischer Praxis, betrieblicher Weiterbildung, Technologieunternehmen sowie aus den zuständigen Staatsministerien. In einem strukturierten Dialog werden diese unterschiedlichen Perspektiven gebündelt, zentrale Handlungsfelder priorisiert und konkrete politische Orientierungen für Bayern entwickelt.

Gruppenfoto des Expertengremiums MONITOR Bildung
V.l.n.r.: Dr. Michael Klimke (BAIOSPHERE), Prof. Dr.-Ing. Dirk Jacob, Christian Dahmen, Prof. Dr. Ute Schmid, Jochen Kuhn, Markus Lötzsch, Bianca Rabl, Sabine Cornils (BAIOSPHERE), Lydia Generotzky (BAIOSPHERE), Ana Casandra Draghici (BAIOSPHERE), Andreas Preißer (BAIOSPHERE)
Themensprecherin:
Prof. Dr. Ute Schmid: Universität Bamberg

Mitglieder:
Astrid Aupperle: Microsoft Deutschland​
Christian Dahmen: Luitpold Gymnasium München ​
Michael Edenhofer: Staatsministerium für Digitales​
Prof. Dr. Dirk Jacob: Hochschule Kempten ​
Prof. Dr. Jochen Kuhn: LMU ​
Markus Lötzsch: IHK Nürnberg für Mittelfranken​
Andrea Martin: IBM Deutschland GmbH ​
Bianca Rabl: Staatsministerium für Digitales​
Nicolas Berberich: KI macht Schule gGmbH​
Eva Stolpmann: Staatsministerium für Unterricht und Kultus

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KI in der Bildung: Zentrale Themen im Überblick

  • AI Literacy als neue Schlüsselkompetenz
    Der kompetente Umgang mit KI wird zunehmend zu einer zentralen Bildungsaufgabe. Internationale Organisationen wie OECD und UNESCO betonen die Bedeutung von AI Literacy – also Kompetenzen, die Menschen befähigen, KI zu verstehen, verantwortungsvoll zu nutzen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen kritisch zu reflektieren. Dazu gehören Wissen über Funktionsweisen von KI, Fähigkeiten zur Anwendung und Bewertung von KI-Systemen sowie eine reflektierte Haltung gegenüber Chancen und Risiken der Technologie.

  • Lernen über KI und Lernen mit KI
    Im Bildungssystem wird KI sowohl zum Lerngegenstand als auch zum Lernwerkzeug. Einerseits sollen Schülerinnen und Schüler verstehen, wie KI funktioniert, welche Daten sie nutzt und welche Grenzen sie hat. Andererseits kann KI selbst Lernprozesse unterstützen, etwa durch personalisierte Lernpfade, adaptive Lernsysteme oder digitale Assistenzsysteme. Ziel ist es, technisches Verständnis, praktische Anwendungskompetenz und kritische Reflexion miteinander zu verbinden.

  • KI-Kompetenzen im schulischen Bildungssystem
    Obwohl viele Schülerinnen und Schüler bereits KI-Anwendungen kennen, fühlen sich viele nicht ausreichend durch die Schule auf den Umgang mit KI vorbereitet. Studien zeigen, dass KI im Unterricht zwar zunehmend thematisiert wird, aber oft nur oberflächlich. Gleichzeitig ist das Thema bislang nur begrenzt in Lehrplänen verankert und wird häufig auf einzelne Fächer wie Informatik beschränkt. Dadurch bleibt das Potenzial von KI für Lernen, Problemlösung und kritisches Denken im schulischen Kontext bisher weitgehend ungenutzt.

  • KI-Kompetenzen in der Arbeitswelt und Weiterbildung
    Auch in der Arbeitswelt verändern KI-Technologien zunehmend Anforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen. Viele Unternehmen erkennen bereits, dass neue Fähigkeiten im Umgang mit KI erforderlich sind. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine deutliche Lücke: Nur ein kleiner Teil der Unternehmen bietet bisher gezielte Weiterbildungsangebote oder Schulungen zum Umgang mit KI an. Um Beschäftigte auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten, wird lebenslanges Lernen und kontinuierliche Kompetenzentwicklung immer wichtiger.

Weitere Hintergründe und Analysen finden Sie im vollständigen Themenpapier. Jetzt herunterladen!

Unsere Themensprecherin Prof. Dr. Ute Schmid im Interview:

Ute Schmid

Prof. Dr. Ute Schmid

Professorin für Kognitive Systeme, Universität Bamberg.

Seit vielen Jahren forscht sie zu erklärbarer KI und zum Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz. Im Interview erläutert sie, warum AI Literacy in die Schule gehört, welche Risiken mit der Delegation an Chatbots verbunden sind und welche Weichen das Bildungssystem jetzt stellen sollte.

Welche Bedeutung hat der zunehmende Einsatz von KI in immer mehr Lebensbereiche für die schulische Bildung?

KI wird von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften fast ausschließlich in Form von KI-Chatbots wie ChatGPT genutzt. Diese sind im Gegensatz zu anderen KI-Anwendungen niedrigschwellig zugänglich. Dagegen sind andere KI-Methoden, die uns im Alltag begegnen, eher versteckt und werden häufig gar nicht als KI-Methoden identifiziert. Dies gilt beispielsweise für die personalisierte Auswahl von Angeboten in Streaming-Diensten und von Inhalten und Werbung in Social Media. Auch das Entsperren eines Smartphones durch Gesichtserkennung, Sprachassistenten und die Echtzeitberechnung von Routenempfehlungen im Navigator basieren auf KI-Methoden. Für einen reflektierten, sicheren und effizienten Umgang mit KI-Anwendungen und KI-Werkzeugen ist ein Grundverständnis von KI (AI Literacy) notwendig. Entsprechend gehört Lernen über KI als Thema in die Schule und auch in die Lehrkräfteausbildung.

Wo siehst Du die größten Potenziale und Risiken von KI in Zusammenhang mit schulischer Bildung und betrieblicher Weiterbildung?

Durch die zunehmende Delegation von Aufgaben an Systeme wie ChatGPT besteht die Gefahr, dass wir wesentliche Kompetenzen nicht erwerben. Viele Dinge lernen wir nur dadurch, dass wir sie tun. Lasse ich mir immer mehr Aufgaben von KI-Systemen abnehmen, werde ich von einer handelnden Persone zum bloßen Rezipienten. Mit dem Verlust an Kompetenzen, sei es beim Schreiben von Texten oder beim Lösen von Mathematikaufgaben, geht gleichzeitig auch ein Verlust an Bewertungskompetenz einher. Wir können also bei KI-generierten Inhalten nicht mehr beurteilen, ob diese korrekt oder von guter Qualität sind. Um solche Entwicklungen aufzuhalten, braucht es grundsätzliche Reformen im Bildungsbereich und eine gezielte Entwicklung von Schnittstellen zwischen Mensch und KI, die Kompetenzerwerb und Reflexion fördern. Hier bietet die Kombination von großen Sprachmodellen mit in der KI seit langer Zeit entwickelten Ansätzen aus dem Bereich der Intelligenten Tutorsysteme an.

Welche Weichen muss das Bildungssystem heute stellen, um die Chancen von KI zu nutzen und ihren Risiken verantwortungsvoll zu begegnen?

KI-Methoden als Problemlöse-Werkzeuge gehören genau so in die Schule wie andere technische Hilfsmittel, wie der Taschenrechner. Schule sollte alle Schülerinnen und Schüler möglichst gut unterstützen, Kompetenzen aufzubauen. Damit dies gelingt, müssen Strukturen geschaffen werden, die eine Überdelegation an Chatbots vermeiden. Statt Lehrpläne immer weiter vollzustopfen sollte eine Fokussierung auf zentrale Inhalte und Methoden erfolgen, um Verständnis von Zusammenhängen, transferierbare Problemlösekompetenzen und Bewertungskompetenz zu fördern. Individualisiertes Üben sollte nicht in Form von Hausaufgaben ins Elternhaus delegiert werden, sondern im schulischen Kontext stattfinden. Hier können KI-Systeme zum Einsatz kommen, die gezielte Rückmeldungen und Hilfestellungen geben. Im Fachpanel KI und Bildung des Bayerischen KI-Rats arbeiten aktuell Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Schule, Wirtschaft und Politik gemeinsam an Handlungsempfehlungen, wie schulische Bildung in Zeiten von KI gelingen kann.

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerin bei der BAIOSPHERE / Bayerischen KI-Agentur zum BAIOSPHERE MONITOR Themefeld „Bildung und Kompetenzerwerb im Kontext von KI“: